Kleine Firma mit großen Stärken

Weser Lotse, Ausgabe Nr.1 vom Februar 2004

Als Zukunftsprognose verweisen Richard Schubert und Sven Nahler einfach auf die jüngste Vergangenheit. Doch die Geschäftsführer der jungen Bremer Seefrachtspedition Astracon, die weltweit Überseetransporte vermittelt, verlassen sich nicht auf den anhaltenden Exportboom der deutschen Wirtschaft.

Der weltweit operierende Dienstleister, der 2001 seinen Geschäftsbetrieb aufnahm, kombiniert die Flexibilität eines kleinen, mittelständischen Unternehmens mit der Stärke eines großen Kooperationsnetzwerks, um seinen Kundenstamm stetig auszubauen.



Im Speicher XI, einem 1912 erbauten, fast 400 Meter langen Industriedenkmal im Bremer Überseehafen, das derzeit in ein einzigartiges Büro- und Verwaltungsgebäude umgebaut wird, gehört Astracon zu den ersten Mietern. Aufbruchstimmung weht durch die zum Teil noch im Bau befindlichen Etagen. In diesem modernen, mit Licht durchfluteten Ambiente betreibt die Astracon International Air + Sea Forwarder GmbH ihr Speditionsgeschäft.

Zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter inklusive der beiden Geschäftsführer kaufen global Laderaumkapazitäten und vermitteln diese an ihre Kunden. Schwerpunkte sind weltweite Sammelcontainerdienste (LCL), der Transport von Kundensammelcontainern und Vollcontainer-Verschiffungen (FCL). Zum Geschäft gehören die optimale Gestaltung des Vor- und Nachlaufs über Lkw, Binnenschiff und Bahn sowie die Abfertigung und Dokumentation. Die Seefrachtexperten kümmern sich auf Wunsch auch um sämtliche Dokumente. "Das geht so weit, dass wir für Kunden Handelsrechnungen schreiben und die gesamte Abfertigung mit Packlisten, Ursprungszeugnissen und Ausfuhranmeldungen übernehmen", so Nahler.

Als klassischer Spediteur ohne eigenes Lager und Transportmittel ist Astracon höchst flexibel und völlig frei in der Wahl der Frachtführer. Diese unbegrenzten Möglichkeiten nutzt das junge Unternehmen, um seinen Kunden die besten, schnellsten und preiswertesten Transportlösungen zu verschaffen. Zu den Kunden von Astracon zählen unter anderem Hersteller, Ex- und Importeure, ausländische Partner und Direktkunden. Entsprechend sehen Schubert und Nahler die Stärken von Astracon als Globalist, nicht als Spezialist.

90 Prozent gehen in den Export

Transportiert wird alles, was sich in Container laden lässt. Fahrtrouten führen über die US-amerikanische Ost- und Westküste über Südamerika, Südafrika, das Mittelmeer und die arabischen Länder bis nach Indien, Pakistan, Australien und Asien. Kunden sind vor allem die produzierende Industrie und der Handel in Deutschland und Anrainerstaaten, denn 90 Prozent des Transportaufkommens besteht aus Exportsendungen. Die von den Bremern realisierten Transportketten sind höchst komplex und schlagen nicht selten eine Brücke über die gesamte Verkehrswirtschaft, wobei Astracon den Transport von A bis Z organisiert.

Will ein deutscher Hersteller von Motorenteilen beispielsweise Ladung mit dem Astracon Sammelcontainer in die USA versenden, beginnt der Transportauftrag mit der Abfrage der Ladungsinformationen, damit die Astracon-Mitarbeiter sich auf die Suche nach geeignetem Frachtraum machen können. Umgehend erhält der Kunde die Auftragsbestätigung, aus der hervorgeht, wann die Ware von einem Transportunternehmen abgeholt, mit welchem Schiff sie versendet wird und wann sie beim Empfänger eintrifft. Ein beauftragter Lkw-Unternehmer bringt die Sendung zum Packbetrieb, während Astracon die Ladeliste für den Container erstellt, die Box bei der Reederei bucht und ein Mitarbeiter beim Packbetrieb das Vorstauen und Einladen der Ware kontrolliert.

Nach dem Verschließen muss wiederum ein Transportunternehmen den Container zum Containerterminal bringen, während Astracon die Partie bei Reederei und Zoll anmeldet.

Mitglied im Atlas International Network

Läuft das Schiff schließlich den US-Hafen an, läuft dort die Transportkette wieder rückwärts ab. Auch hier hält Astracon die Fäden in der Hand. Im Ausland profitiert das Unternehmen von seiner Mitgliedschaft im Atlas International Network, einer Kooperation von über 100 Spediteuren in 78 Ländern. Die Atlas-Mitgliedschaft ist ein wichtiges Instrument für Astracon. "Nehmen wir Destinationen wie Ruanda, Haiti oder Nepal, wo wir als kleine Firma normalerweise überhaupt keine Partner hätten", erklärt Schubert. "So ein Netzwerk bietet plötzlich Partner in allen Winkeln der Welt.

Das ist nicht nur ein Riesenvorteil, wenn es darum geht, Transporte in solche Regionen zu realisieren. Es verschafft uns ja auch neue Kunden, indem wir anderen Teilnehmern des Netzwerkes mit unserer Präsenz in Deutschland helfen." Ihre Kooperationen und Beteiligungen können für kleine Unternehmen wie Astracon entscheidende, strategische Bedeutung haben. Schon vier Monate nach Geschäftsaufnahme traten die Bremer der Gruppe "Synopsis" bei, einer Allianz von sieben mittelständischen Seefrachtspediteuren in Hamburg und Bremen, die den beteiligten Firmen durch Bündelung ihrer Mengen von und nach den USA deutlich bessere Einkaufspositionen bei den Reedern verschafft.

Ein Jahr später zählte Astracon zu den Mitbegründern des Ablegers "SynopsisL", einer Kooperation im LCL-Geschäft. Nahler: "Jeder Kooperationspartner hat seine eigenen Sammelcontainerdestinationen. Jeder der Partner ist für eine Anzahl an Bestimmungshäfen der verantwortliche "Masterloader", und die Mitgliedsfirmen haben die Möglichkeit der Beiladung. Die Gruppe verlädt inzwischen nach mehr als 50 Häfen."

Flexibilität und Kundennähe

Strategische Allianzen werden auch im direkten Umfeld gesucht: So ist Astracon Mitglied im Verein Bremer Spediteure und Kommanditist der Transcontainer Universal Bremen (TCU). Die auf Containertransporte per Bahn in Deutschland und Europa spezialisierte TCU kauft für ihre rund 60 Mitgliedsfirmen Laderaum-Mengen zu Preisen ein, die die einzelnen Unternehmen bei den Bahngesellschaften nicht erzielen könnten. Luftfrachten werden über Astracon air + sea transport concept GmbH in Neuhausen bei Stuttgart abgefertigt, mit der die Bremer unter einem gemeinsamen Logo auftreten.

Auch wenn der kleine Spediteur durch seine Kooperationen wie ein Großer auftreten kann: Die Geschäftsführer wissen, welche Stärken gerade aus der geringen Größe resultieren: Flexibilität und Kundennähe. "Die Bindung zum Kunden ist", so Nahler, "der Schlüssel zu unserem Erfolg". Bei Astracon hat jeder Kunde nur einen Ansprechpartner. Jeder Sachbearbeiter ist für alle Bereiche zuständig, ob es um Import oder Export, Stückgut oder Vollcontainer, ein Ziel in den USA oder in Asien geht.

Dieses Prinzip ermöglicht dem Unternehmen eine totale Kundennähe, die große Mitbewerber kaum bieten können. "Bei uns wird der Kunde nicht von einer Abteilung in die nächste durchgestellt", erklärt Schubert: "Unsere Mitarbeiter sind unser Gesicht, unser Repräsentant nach außen. Daher legen wir natürlich besonderen Wert darauf, dass sie hoch qualifiziert, flexibel und motiviert sind." Vor der Zukunft müssen die Bremer also keine Angst haben. Ihrer Kombination aus Größe und Kleinheit verdankt Astracon einen permanenten Strom neue Kontakte. Und die Kontakte von heute sind bekanntlich die Kunden von morgen.

André Hesel

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